Samstag, 5. April 2014

Rezension: 'Nachts, wenn der Tiger kommt' von Fiona McFarlane







Titel: Nachts, wenn der Tiger kommt

Autor: Fiona McFarlane

Verlag: DVA

Preis: 19,99 €

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Inhalt

Seit dem Tod ihres Mannes lebt die betagte Ruth alleine in einer Strandvilla an der Küste Australiens. Nachts streift ein Tiger durch ihr Haus und Ruth zweifelt langsam aber sicher an ihrem Verstand.
Die gewohnte Alltagsroutine wird durchbrochen, als plötzlich Frida vor ihrer Tür steht und behauptet eine vom Staat geschickte Pflegerin zu sein. Doch je länger Frida da ist, desto mehr verliert Ruth den Bezug zur Realität...

Meine Meinung

Eigentlich passt das Buch so gar nicht in mein bevorzugtes Genre aber wir alle sollten ja mal ab und zu Ausflüge ins Unbekannte wagen, oder? 

Relativ schnell treffen Ruth und Frida aufeinander. Ich fand es ehrlich gesagt ziemlich unglaubwürdig, dass Frida einfach so in Ruth' Haus platzen kann, ohne dass diese es richtig hinterfragt. Ruth' Sohn Jeffrey quetscht die Betreuerin zwar ein wenig aus, lässt es aber schnell bleiben, nachdem ihm klar wird, dass sich jetzt endlich jemand um seine senile Mutter kümmert. Aber dennoch, ich an seiner Stelle hätte die Frau wenigstens kennen lernen wollen! 
Schon bald übernimmt Frida die ganze Hausarbeit, erledigt Bankgeschäfte für sie usw. Sie drängt Ruth mehr und mehr in die Unselbstständigkeit, z.B überredet sie Ruth dazu ihr Auto zu verkaufen.

Dann ist da natürlich noch der Tiger, der nachts auftaucht und Ruth in Angst und Schrecken versetzt. Der Tiger ist nicht immer präsent, nimmt aber eine sehr zentrale Rolle ein. In dem Buch geht es vor allem um Einsamkeit im Alter, Demenz und das Vergessen. Immer wieder fragt sich Ruth, ob er real ist und ihr Sohn Jeffrey, dem sie sich anvertraut hat, redet ihr ein, es wären bloß Hirngespinste. Aber wie kann etwas, das so real erscheint bloß eine Ausgeburt der Fantasie sein? Ruth verliert mehr und mehr den Bezug zur Realität, sie verliert Dinge, sie vergisst Dinge und alles scheint auf seltsame Weise mit Frida zusammenzuhängen. Steckt sie hinter allem?

Natürlich zieht sich diese Frage durch den ganzen Roman. Die Autorin hat das Ganze wirklich clever in die Perspektive Ruth' eingebunden. Denn wir bekommen nur mit, was sie denkt, sieht, fühlt. So ist es schwer sich eine ungetrübte Meinung zu der Sache zu bilden, zumal Ruth auch Anzeichen von Demenz zeigt. Die aktuellen Ereignisse vermischen sich mit Erinnerungen an ihre Kindheit auf Fidschi und dem Leser wird ein sehr gutes Bild darüber vermittelt, wie es im Kopf der verwirrten Ruth zugeht.

Leider gibt es auch viele Längen im Buch. Die bereits erwähnten Erinnerungen an ihre Vergangenheit sind streckenweise sehr ermüdend zu lesen und auch eher langweilig. Mir hat sich nicht wirklich erschlossen, wozu man alles über die Kindheit wissen muss. Einige Seiten habe ich dadurch bloß quergelesen. Ich habe aus irgendeinem Grund eine thrillerhafte Atmosphäre erwartet, wurde in diesem Punkt jedoch enttäuscht. Die Geschichte dümpelt eher vor sich hin.

Frida war mir von Anfang an sehr unsympathisch. Sie behandelt Ruht oft respektlos und grob. Sehr geschickt inszeniert war, wie sie Ruth mehr in die Abhängigkeit treibt. Auch wenn Ruth sie öfter loswerden wollte, konnte sie dennoch nicht. Alleine hätte sie es längst nicht mehr geschafft. 
Was Frida letztendlich von Ruth wollte, erschloss sich mir ab ca. der Hälfte des Buches. Es war einfach viel zu offensichtlich und nach dem heiß machenden Klappentext habe ich mehr erwartet.

Das Ende konnte mich dennoch überraschen, denn ich habe es überhaupt nicht kommen sehen. Mehr möchte ich aber nicht verraten ;)

Fazit

Ein gelungener Erstling über das Altern und das Vergessen. Einfühlsam beschreibt die Autorin aus der Sicht einer Frau in den Anfängen der Demenz. Aufgrund langatmiger Abschnitte und einer wirklich sehr hervorsehbare Wendung muss ich Punkte abziehen. Das thrillerartige Katz- und Mausspiel blieb leider aus. Von mir gibt es gute 3/5 Punkte.

Ich danke Lovelybooks und dem DVA Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Allein vom Klappentext her finde ich das Buch gar nicht so interessant, obwohl es das Thema auf jeden Fall ist. Denn der Klappentext sagt leider gar nicht so viel aus, als dass man gespannt darauf sein könnte, was das Buch zu bieten hat.

    Allerdings muss ich nach deiner Rezension schon sagen, dass es bis auf die von dir genannten Schwächen sicher ein gutes Buch sein könnte.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Ja der Klappentext ist recht vage aber mich hat er dennoch sehr neugierig gemacht ;) Lesenswert ist es auf jeden Fall!
      Liebe Grüße,
      Ebru

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Würde mich über eure Kommentare freuen!! :)